Alles neu im Beruf

hier kommt in Kürze ein neuer Artikel!

Neue Werte

Zwischenbilanz: 14 Tage Isolation. Genau zwei Wochen ist es her, dass die Österreichische Regierung das umfassende Maßnahmenpaket gegen das Coronavirus beschlossen hat. Ich finde, dass wir in diesen 14 Tagen etwas Erstaunliches beobachten konnten. Und zwar die Sehnsucht der Menschen nach neuen (alten?) Werten. Binnen weniger Tage ist eine neue Höflichkeit entstanden. Wir grüßen einander wieder mehr, fangen zu plaudern an, machen den einen oder anderen Scherz. Die Menschen bieten einander Nachbarschaftshilfe an, z.B. beim Einkaufen von Lebensmittel. Mancher bestellt wieder mehr bei lokalen Unternehmen anstatt bei Amazon & Co. Es gibt einen Run auf Mehl und Germ, und auf Video-Tutorials, wie man Sauerteig selbst herstellt. Viele Menschen stellen sich in die Küche und backen jetzt Brot, ein Grundnahrungsmittel seit vielen tausend Jahren. An Diät denkt wohl gerade niemand mehr. Zurückgeworfen auf das Wesentliche fragen wir uns vielleicht in dieser Situation: Wie soll unser Leben sein? Was können wir aus der Krise mitnehmen? Wo hat uns die Krise die Augen geöffnet? Und nicht zuletzt: Was bedeutet es, Mensch zu sein? Für jeden einzelnen von uns und im Dialog mit anderen? 

Auch wenn in ein paar Wochen die Maßnahmen wieder gelockert und/oder aufgehoben werden: Die Krise wird ihre Spuren hinterlassen. In jeglicher Hinsicht. Matthias Horx hat in seiner Kolumne Future Mind etwa eine Rückkehr zu alten Kulturtraditionen vorhergesagt. In seiner Re-Gnose schreibt er: "Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit." Er sagt auch, dass das neue Zeitalter andere Werte (Memes) hervorbringen wird. Es fördert Kooperation statt Konkurrenz, Kreative Köpfe statt Konsumenten und Manager und Selbstausdruck statt Bilder und Daten. Ich denke, dass dieser gesellschaftliche (Werte)Wandel uns allen gut tut.

Wir können nun über neue Werte von uns als Gesellschaft nachdenken. Gleichzeitig bietet eine Krise immer auch die Chance, eine Innenschau zu betreiben und zu beobachten, was jetzt IN uns passiert. Wir können uns Fragen stellen wie: "Welche Werte sind mir in meinem Leben jetzt wichtig?" und "Welche Werte machen mich als Mensch aus und wie kann ich danach leben?" Eine schöne Übung dazu, die man im Coaching gerne anwendet, geht folgendermaßen: Man nehme sich ca. 10-15 kleine Zettel und einen Stift. Dann schreibt man auf jeden Zettel einen Wert, etwas, das einem wichtig ist im Leben. Häufig sind das Begriffe wie "Familie", "Liebe", "finanzielle Sicherheit", "Gesundheit", "Freundschaft", etc. Man schreibt einfach alles auf, was einem in den Sinn kommt. Wenn man fertig ist, sortiert man die Zettel nach der Reihenfolge, in einer vertikalen Liste. Der wichtigste Begriff zuerst, dann darunter Nummer 2, darunter Nummer 3, und so weiter. Jetzt schaut man, ob es Überschneidungen gibt. Doppelte oder sehr ähnliche Werte nimmt man weg und legt sie daneben hin. Hat man etwa drei Zettel mit den Begriffen "Familie", "Partner" und "Kinder", so könnte man "Partner" und "Kinder" daneben auf die Seite legen, und dafür den Überbegriff, den übergeordneten Wert "Familie" behalten. Diesen Vorgang wiederholt man 1-2 Mal, solange bis die wichtigsten Werte überbleiben. Meistens sind das ca. 5-7. Jetzt schaut man noch einmal, ob die Werte in der richtigen Reihenfolge liegen. Ist der Begriff ganz oben wirklich der wichtigste? Tausche ich Zettel Nummer 2 und 3? Oder passt alles? Man merkt an seinem Gefühl, ob es stimmig ist oder nicht. Das Ergebnis ist wunderschön. Was man nun damit macht? Man kann prüfen, ob das Leben, das man führt, seinen Werten entspricht. Ja? Dann fühlt man sich wahrscheinlich mit sich selbst im Reinen und ist im Großen und Ganzen ein zufriedener Mensch. Nein? Dann liegt hier ein großes Potential für Veränderung. Mich hat das Ergebnis, als ich diese Übung das erste Mal gemacht habe, sehr berührt. Aufgelistet von 1-5 lagen da die wichtigsten Werte, die mich als Mensch ausmachen. Nummer 1, wie könnte es ander sein? Die Liebe.

Die Ungewissheit annehmen

Kürzlich bin ich eine Runde im Wienerwald spazieren gegangen. Eine Frau kommt mir entgegen. Sie telefoniert und hört sich dabei gereizt und nervös an. Ich schnappe nur ein paar Gesprächsfetzen im Vorbeigehen auf. Der Satz, der hängen bleibt und mich seitdem nicht mehr loslässt, ist: "Es gibt heuer überhaupt keine Planungssicherheit!"

Stimmt. Es gibt heuer keine Planungssicherheit. Die Kontrolle und "Planungssicherheit", die wir alle in unserem Leben so sehr lieben, die geht gerade voll den Bach runter. Wir haben keine Kontrolle darüber, wie es mit unseren Jobs weitergeht. Wir haben keine Kontrolle darüber, welche Maßnahmen die Regierung setzt. Wir haben nur bedingt Kontrolle darüber, ob uns jemand beim Einkaufen zunahe kommt.

Viele Menschen fragen sich gerade, was man da machen kann. In Wirklichkeit gibt es nur eine Sache, die wir tun können: Umsichtig sein - und die Ungewissheit annehmen. Akzeptieren, dass die Situation so ist, wie sie ist. Damit möchte ich nicht den inflationär gebrauchten Ausdruck "Alles wird gut" verwenden - der macht die Situation auch nicht besser. Es geht schlicht darum, das JETZT zu akzeptieren mit allen Konsequenzen.

Allen, die gerade viel Angst und viele Sorgen haben, nicht wissen, wie es weiter geht, möchte ich den Tipp meiner guten Freundin Monika ans Herz legen: "Katharina, es geht nicht darum in großen Schritten nach vorne zu denken, sondern nur diesen einen Tag zu planen." Damit meint sie: das HEUTE annehmen, das HEUTE planen, für das HEUTE sinnvolle Tätigkeiten zu finden. Alles andere ist morgen. Und das morgen ist noch nicht da.

Mit Corona leben

Wie lebe ich JETZT ein gutes Leben? Die aktuelle Situation verlangt uns allen viel ab. Auch wenn wir manchmal glauben, dass uns alles zuviel wird - es gibt einfache Schritte, die wir jetzt beherzigen können. Denn: Ein gutes Leben beginnt im Kopf!

In 5 Schritten zum gesunden Leben:

1. Akzeptieren. Ja, das hört sich zuerst mal kontraintuitiv an. Wie soll man die Krise akzeptieren? Aber der erste Step zu einem guten Leben mitten im Chaos ist das Annehmen. Das machen uns alle Weltreligionen vor, vom Christentum bis hin zum Buddhismus. Akzeptieren, dass das Coronavirus nun Teil unseres Lebens ist. Es ist da und so wie es aussieht, ist es gekommen, um zu bleiben. Indem wir diese Tatsache nicht ständig von uns wegdrücken, sondern ihr klar und offen "ins Gesicht schauen", kann sie ihre Bedrohlichkeit verlieren.

2. Sich der eigenen Gefühle bewusst werden. Was fühle ich gerade? Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, vielleicht mit einer Tasse Tee oder Kaffee, und horchen Sie in sich hinein. Gefühle sind manchmal wie kleine, verängstige Kinder. Sie brauchen unsere Aufmerksamkeit. Wer eine Innenschau betreibt, wird vielleicht auch viele verschiedene Gefühle finden: Angst, Unsicherheit und Gereiztheit. Vielleicht ist da aber auch ein bisschen Freude - Freude darüber, nicht mehr so getrieben zu sein von ständigen Terminen. Oder Überraschung - viele Väter verbringen auf einmal auch tagsüber Zeit mit ihren Kindern und lernen die lieben Kleinen gerade von einer neuen Seite kennen. Es lohnt sich, sich dieser Gefühle bewusst zu werden und sie einmal genau anzuschauen. Auch wenn dabei eine Ambivalenz zu Tage tritt, etwa: "Ich mache habe Angst, wie es finanziell weiter geht. Gleichzeitig genieße ich die Auszeit und freue mich über die Zeit mit meiner Familie" - Ambivalente Gefühle sind total ok und gehören zum Leben dazu.

3. Eine Atemübung machen. Das wirkt beruhigend und stresslösend. Dazu gibt es eine ganz einfache Übung: die 3-3-3-3

drei Sekunden einatmen
drei Sekunden den Atem anhalten
drei Sekunden ausatmen
drei Sekunden den Atem halten

und wieder von vorne.

Ein paar Minuten und der Körper lässt Stress und Anspannung fallen.

4. Liebevoll mit sich und seinen Lieben sein. In der Hektik des Alltags und in Zeiten großer Unsicherheit tendieren wir dazu ein bisschen ruppig zu werden. Wir sind unachtsam mit uns selbst und unseren Mitmenschen, mit unseren Partnern und den Kindern. Dabei wäre es gerade jetzt schön, Mitgefühl und Wärme in die eigenen vier Wände und in die Welt da draußen hinauszutragen. Die ersten Menschen machen das ja schon vor: Wer draußen ist zum Einkaufen wird vielleicht merken, dass sich die Menschen wieder grüßen und einander ein Lächeln schenken. Vielleicht ist es eine Gelegenheit, sich wieder darauf zu fokussieren, was es bedeutet, Mensch zu sein. Und sich zu fragen: Wer sind wir füreinander?

5. Sich Gutes tun. Da zählen schon Kleinigkeiten. Weil: Das Geheimnis sind fast immer die kleinen Dinge. Ein kleines Kräuterbeet am Balkon einrichten, sich nachmittags bei Sonnenschein ohne Hektik raus zu setzen und sich völlig ungeniert die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, das Liebelingsgericht kochen, abends eine gute Flasche Wein aufmachen.  Meine Mutter erzählte mir kürzlich am Telefon, dass sie jetzt ein neues Nahrungsergänzungsmittel für sich entdeckt haben. Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente? Weit gefehlt. Fett und Zucker. Sie hat ganz "old school" einen Gugelhupf gebacken. Und den verspeisen mein Vater und sie jetzt mit viel Freude.


Future Mind von Matthias Horx

Seit Wochen kursieren Horrorszenarien. Wenn man den Berichten in den Medien Glauben schenkt (und noch dazu viel Facebook liest und viel Youtube schaut) könnte man tatsächlich glauben, dass es bald vorbei ist mit der Welt.

Eine erfrischend andere Ansicht vertritt Matthias Horx, der Trend- und Zukunftsforscher aus Wien. Er hat vor kurzem einen Blog-Post geschrieben, in der eine "Re-Gnose" betreibt, eine Rückschau. Er lädt dazu ein, sich vorzustellen, es wäre Herbst 2020. Wie hat sich unser Leben verändert? Das Bild, das er zeichnet, hat mich unglaublich berührt. Wir werden uns geändert haben. Und ja, auch die Wirtschaft wird sich geändert haben. Er schreibt lange darüber, wie wir die Krise als Chance wahrgenommen haben werden. Mich und einige Menschen in meinem Unfeld hat der Artikel von Matthias Horx auf jeden Fall sehr zum Nachdenken angeregt.

Die top drei Dinge, dich ich für mich mitgenommen habe:

1. Die Wirtschaft wird sich ändern. Es wird wieder mehr im Land produziert werden. Heimische Firmen gewinnen an Bedeutung. Und: Home-Office wird das neue "Normal".

2. Nachhaltigkeit wird bald nicht mehr Verzicht und Knappheit und Mühe und Schuld bedeuten. Ein nachhaltiger Lebensstil wird bald für Schönheit und Fülle stehen - unter anderem dank neuer Technologien und intelligenteren Systemen. Für mich als selbsterklärte Minimalistin besonders interessant: "Die Blaue Ökologie begreift Ökologie nicht als Zwang zum Verzicht, sondern als lustvolle Befreiung vom Zuviel."

3. Es gibt bereits unzählig viele high-end Öko-Technologien. Horx: "Die Firma CuanTec macht transparente Nahrungsmittel-Folien aus Muschelkalk" und "Das finnische Unternehmen SOLEIN-SOLAR FOODS erzeugt heute schon ein Grund-Protein aus CO2, das man wie eine Pizza verbacken kann. Mit Aromen angereichert ist das ein Grundstoff für Müsli oder – Low-Carb-Lasagne." Unglaublich, was Menschen alles entwickeln können. Gestern abend habe ich die Netflix-Doku "Inside Bill's Brain" geschaut: In Teil 1 wird gezeigt, wie man aus menschlichen Fäkalien Trinkwasser herstellen kann. Bill Gates wollte etwas gegen die immens hohe Sterblichkeit von Kindern in der dritten Welt machen - und es ihm gelungen.

Hier geht's zum ganzen Artikel von Matthias Horx.